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40 Jahre – Die Seite 3 im Oktober 2026

Vor einigen Wochen fragte Bayern 2 seine Hörer, wie sie denn zu ihrem Traumberuf gekommen seien. – Ich habe mich nicht gemeldet, denn es war nicht mein Traumberuf, den ich vor 40 Jahren ergriffen habe. Vielmehr hatte mein erster Versuch zum Einstieg in den Journalismus nicht geklappt, so dass ich mir erst einmal ein Jahr zur „Selbstfindung“ genehmigte. Wo man heute für eine Zeit nach Down Under geht, habe ich das Angebot des Finanzamts angenommen; den erfolgreichen LPA-Test hatte ich ja in der Tasche. Dass ich daran überhaupt teilgenommen hatte, war dem einzigen Lehrer zu danken, der positiv über Beamte gesprochen hatte.

Tatsächlich zum Zug zu kommen, war gar nicht so einfach. Mein Geburtsjahrgang 1966 war der zweitgrößte in der Geschichte der Republik, Arbeitslosigkeit war in der Mitte der Gesellschaft sehr real und es herrschte ein großes Gedränge am Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Von den 6.396 Teilnehmern am LPA-Test für den gehobenen Dienst wurden 498 einer staatlichen Verwaltung zugewiesen, 7,8 %. Im mittleren Dienst war es noch krasser: 497 von 12.958 – 3,8 %!

Als einer von etwa 250 im Jahrgang habe ich in meinem „Orientierungsjahr“ dann aber sehr schnell Blut geleckt. Die Beamtenfachhochschule in Herrsching war mir zwar zu verschult, aber Dozenten-Gurus wie Fritz Winkler und Johann Glaser haben mir klargemacht, dass es angesichts der Stofffülle nicht anders geht. Schnell haben wir damals erkannt, zu was einen dieses Studium alles befähigt, und dass man damit auch politische Zusammenhänge, ja die Welt ein Stück weit durchschauen kann.

Das Finanzamt selbst war auch noch eine ganz andere Welt. Selbst die Gleitzeit hatte noch nicht überall Einzug gehalten. „Parteiverkehr“ wartete auf den Fluren auf Einlass zum Bearbeiter. Gearbeitet wurde auf Papier, in der Veranlagung gab es zur Bestandsdatenpflege einen, nun ja, Computer, den sich mehrere Beschäftigte über einen Drehteller teilten. Die Steuererklärungen kamen ausschließlich auf Papier, wurden von Datenerfasserinnen (so geschickt war kein Mann!) erfasst und die Bearbeitungsergebnisse auch. Für alles, was keine Daten betraf, gab es Schreibkräfte, die Briefe abtippten oder Entscheidungen der Rechtsbehelfsstelle; alles in schönster Form. Gelernt war eben gelernt.

In der Rechtsbehelfsstelle erleichterten sich die Bearbeiter die Arbeit, indem sie Passagen aus früheren Entscheidungen herauskopierten und als Schnipsel auf den meist händisch verfassten Entscheidungstext klebten. In der Betriebsprüfung verfasste man nicht nur seine Handakten handgeschrieben, sondern auf entsprechenden Vordrucken auch den ganzen Bericht. Da kam es schon vor, dass man stundenlang nach irgendwelchen Rechen- und Übertragungsfehlern forschte…

Aber die Arbeit war Arbeit im und mit dem Steuerrecht. Um darin möglichst gut zu sein, stellten sich nicht wenige ganze Bibliotheken mit aufwendigen eigenen Fundstellenverzeichnissen zusammen.

Das Berufsbild war bereits im Wandel: weg von Mitarbeitertätigkeiten und „Veranlagungsverwaltungsstellen“ hin zum selbständigen Sachbearbeiter. Und einen Energieschub für unsere Verwaltung hat die Ausweitung der Teilzeitmöglichkeiten gegeben! Nicht umgekehrt!

Was ich damals rasch erkannt habe: diese Verwaltung hatte mit den gängigen Klischees ganz wenig zu tun. Aber auch: es kann doch nicht sein, dass selbst die Allerbesten nicht über ihre Laufbahngruppe hinauskommen. 2011 hat das Neue Dienstrecht Bayern damit aufgeräumt und die „mQ“ geschaffen. Ich freue mich zu sehen, wie viele von den damaligen jungen Kolleginnen und Kollegen es aus A 5 oder A 6 bis zum Sachgebietsleiter geschafft haben, und dass auch im gehobenen Dienst tolle Karrieren möglich waren. Persönlich habe ich mich als junger Beamter mit drei anderen im Haus verglichen und freue mich heute, dass zwei von ihnen die mQ-14 machen konnten und der dritte frühzeitig Regierungsrat geworden war. Aber nicht alles ist gut. Etwa, dass Kollegen über Jahre, ja Jahrzehnte A 12-Dienstposten zu aller Zufriedenheit ausfüllen und dennoch nicht über A 11 hinauskommen.

Technisch ging es lange bergauf, bis es irgendwann kippte, man wohl zu viel zu schnell wollte und dafür viel zu wenig Geld und Personal vorhanden war.

Naiv war, wer geglaubt hatte, dass das Leistungspaket, das 1986 das besondere Dienst- und Treueverhältnis ausgemacht hat, so erhalten bliebe… Höchstversorgung 75 % nach 35 Jahren zum Beispiel …

Überhaupt habe ich immer wieder erlebt, wie sofort und zuerst bei den Beamten gespart wird, wenn der Haushalt eng wird! Und zur Wahrheit dieser 40 Jahre gehört auch, dass das auch außerhalb des öffentlichen Dienstes keine schlechten Jahre waren, wie ich im Mai von meinen Abi- Kollegen erfahren durfte …

Wort gehalten hat der Dienstherr bei der „Jubiläumszuwendung“: aus den 1986 versprochenen 800 DM sind 400 Euro geworden. Nach 40 Jahren. Na ja …