Zahlen Daten Fakten 2015: Geglaubt ist nicht gewusst

dbb stellt aktualisiertes "Zahlen Daten Fakten" zur Verfügung

Über den öffentlichen Dienst wird viel diskutiert: Personalmangel, Überalterung, Kostenstrukturen und Zuständigkeiten stehen immer wieder im Fokus des öffentlichen Interesses. Wer fundiert mitreden will, braucht eine belastbare Datenbasis, damit Debatten nicht ins Ideologische abdriften oder Glauben als Wissen verkauft wird. Der dbb liefert dazu mit dem statistischen Nachschlagewerk „Zahlen Daten Fakten“ seit Jahren eine griffige Grundlage. Die Ausgabe 2015 wurde um Angaben zu den Frauenanteilen im öffentlichen Dienst ergänzt, um eine noch bessere Vergleichbarkeit der Beschäftigtenstruktur zu ermöglichen.

Aus dem ergänzten Zahlenmaterial lässt sich unter anderem ein Aspekt herauslesen, der die Gleichstellung im öffentlichen Dienst betrifft: Frauen verdienen im öffentlichen Dienst häufig immer noch durchschnittlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Grund für den Einkommensunterschied ist der hohe Grad an Teilzeitarbeit der weiblichen Beschäftigten. Beinahe jeder dritte Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst ist ein Teilzeitarbeitsplatz (32,18 Prozent). 82,83 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Insgesamt arbeiten rund 2,56 Millionen Frauen im öffentlichen Dienst. Obwohl das Tarif- und Besoldungssystem vordergründig für vermeintlich gleiche Verdienststrukturen sorgt, arbeiten Frauen seltener in Führungspositionen und öfter in anderen, insgesamt niedriger bezahlten Bereichen als Männer. So sind allein im Bereich soziale Sicherung, Familie und Jugend 573.924 Frauen beschäftigt. Daraus resultieren Einkommensdifferenzen von bis zu acht Prozent.

Der dbb Bundesvorsitzende Klaus Dauderstädt beobachtet dieses Problem seit Langem und fordert Veränderungen: „Hier erweist sich die grundsätzlich diskriminierungsfrei angelegte Einheitlichkeit der Bezahlungssysteme des öffentlichen Dienstes nicht als Garantie auch für gleiche Einkommensperspektiven. Flexiblere Arbeitszeitmodelle, ein modernes Beurteilungswesen und eine gesellschaftspolitisch hinterlegte Überprüfung der Vergütungsstrukturen wären erforderlich, um eine bessere Gleichstellung im Beruf zu erreichen.“

Auch Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, fordert einen geschlechtersensiblen Blick auf die bisherigen Einkommensstrukturen, um langfristig zu Veränderungen zu kommen: „Es ist nicht hinzunehmen, dass der Dienst am Menschen, für den sich viele Frauen entscheiden, der Gesellschaft weniger wert ist, als eine technische Tätigkeit. Durch eine vermeintlich typische männliche oder weibliche Berufswahl dürfen die Weichen nicht länger für das künftige Einkommen gestellt werden.“

Aber nicht nur die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst lässt sich aus den handlichen Zahlenwerk ableiten. Auch andere aktuelle Problemfelder lassen sich mit Zahlen Daten Fakten besser bewerten. Der öffentliche Dienst in Deutschland ist zu teuer? Falsch, denn die Arbeitnehmerentgelte im öffentlichen Dienst in Prozent des Bruttoinlandsprodukts haben sich von 2003 bis 2012 im europäischen Vergleich nicht nur von 8,2 auf 7,6 Prozent abgesenkt, sondern liegen damit auch weit hinter vergleichbaren Ländern wie England (10,9 Prozent), Frankreich (13,2 Prozent), Italien (11,5 Prozent) oder Spanien (11,2 Prozent). Unter 26 EU-Ländern geben nur die Tschechische Republik und die Slowakei mit 7,4 beziehungsweise 7,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes weniger für den öffentlichen Dienst aus als Deutschland – was gemessen an der Wirtschaftskraft dieser Länder wiederum viel ist. Der öffentliche Dienst hat zu viele Beschäftigte? Ebenfalls falsch, denn die Zahl der Beamten und Arbeitnehmer hat sich von 1991 bis 2013 um 955.900 vermindert – bei gestiegener Aufgabenvielfalt. Darüber hinaus werden in den kommenden Jahren über 56 Prozent der heute über 45-jährigen Beschäftigten auf dem öffentlichen Dienst ausscheiden (das sind mehr als 2,5 Millionen) und in den kommenden zehn Jahren mehr als 25 Prozent der heute über 55-jährigen (rund 1,1 Millionen). Die Folge wird eine weitere Verknappung des Personals sein.

Die Broschüre „Zahlen Daten Fakten 2015“ ist zur Jahrestagung des dbb in Köln am 12. Januar 2015 erscheinen. Zahlengrundlage sind Material der statistischen Landesämter, des statistischen Bundesamtes, Informationen der Bundesministerien sowie eigene Berechnungen des dbb. Zahlen Daten Fakten 2015 steht unter www.dbb.de kostenlos zum Download zur Verfügung.

Quelle: dbb beamtenbund und tarifunion

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