"Seite 3": Deutschland ist Weltmeister

Deutschland ist Weltmeister weil es alle Verantwortlichen verstanden hätten, aus starken Einzelspielern ein hochmotiviertes Team zu bilden und ihm in den entscheidenden Spielen die richtige Strategie zu verpassen, sagt bfg-Vorsitzender Gerhard Wipijewski. Auf der neuen "Seite 3" der bfg-Zeitung August-September führt er aus, dass aus dem WM-Sieg auch Lehren für's richtige Leben und sogar für die Finanzverwaltung gezogen werden können ...

Deutschland ist Weltmeister. Viele Kommentatoren rund um den Globus sehen dies gleichsam als zwangsläufige Folge der politischen Stabilität und der wirtschaftlichen Stärke der Bundesrepublik. Aber tatsächlich haben wir doch wohl eher den Titel errungen, weil es alle Verantwortlichen verstanden haben, aus starken Einzelspielern ein hochmotiviertes Team zu bilden und ihm in den entscheidenden Spielen die richtige Strategie zu verpassen. Es gibt gleichwohl Lehren für’s richtige Leben, ja sogar für die Finanzverwaltung!
Ehre – Es gab Zeiten, da galt die Nationalmannschaft als leidige Pflicht; manche der Besten haben sich ihr ganz entzogen. Mit der öffentlichen Wertschätzung, die der Fußball heute genießt, ist das ganz anders geworden: selbstverständlich bewerben sich die besten Spieler um einen Platz im Team!
Auch der öffentliche Dienst kann nur erfolgreich sein, wenn man ihn anerkennt, wenn sein Ruf und seine Rahmenbedingungen auch die besten Bewerber anlocken!
Teamerfolg – Stürmer mögen im Mittelpunkt stehen, tatsächlich entscheidet das Team. Hier muss alles aufeinander abgestimmt sein.
Das gilt auch für unsere Verwaltung! Auch hier greift ein Rädchen ins andere – eine ausgewogene Besetzung ist unbedingte Voraussetzung!
Motivation – „Zeige der Welt, dass du besser als Messi bist!“ (Bundestrainer Löw zu Mario Götze)
Solch ein Ansporn hilft nicht nur Siegtorschützen! Die Mitarbeiter aufbauen, sie stärken, hinter ihnen stehen – nicht immer leicht, aber sooo hilfreich …
Selbstbewusstsein – So entsteht das Sieger-Gen!
Das Gegenteil sind Kolleginnen und Kollegen, die wie gebrochen wirken …
Optimale Bedingungen – Vorbereitung, Planung, Betreuung etc. – wo früher 2 Trainer und ein Masseur werkelten, sorgen heute zwei Dutzend Experten für optimale Bedingungen. Malente war einmal, heute gibt’s Campo Bahia!
Dazu müssten erst einmal alle Verantwortlichen die Bedeutung des Steuerrechtsvollzugs als die grundlegende Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit unseres Landes anerkennen! Dann sollte auch ein Gesundheitsmanagement, das den Namen verdient, kein Problem mehr sein!
11 Spieler – Kein Trainer käme auf die Idee weniger als die genehmigte Anzahl an Spielern aufzubieten.
Genau das aber geschieht bei uns seit Jahren! In den Finanzämtern arbeiteten am Jahresbeginn 2014 umgerechnet 14.791 Vollzeitkräfte, obwohl der Landtag die Bezahlung von 16.600 genehmigt hat! Damit stehen noch nicht einmal 10 von 11 möglichen Spielern auf dem Platz! So kann man zwar eine Zeitlang ordentliche Leistungen bringen, dauerhafter Erfolg aber ist mit dieser Taktik nicht möglich und der Verschleiß enorm! In Mannschaftsstärke wäre definitiv viel mehr drin!
Der Freistaat – in vielem Weltspitze, hier aber selbst im nationalen Vergleich Schlusslicht! Nicht zuletzt auch diese Zusammenhänge sind es, die wir unserem Finanzminister wiederholt vor Augen geführt haben. Er hat es versprochen sich für Verbesserungen einzusetzen und er scheint dies am Kabinettstisch erneut mit Erfolg getan zu haben! 660 zusätzliche Anwärterstellen sind auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung! Wir werden alles daran setzen, dass sich bei den Haushaltsberatungen im Landtag darüber hinaus noch etwas bewegen lässt.
Seit Jahren heißt es, Deutschland sei auch Weltmeister beim Umfang der Steuerfachliteratur. Auch bei unserem Gewerkschaftstag im November haben wir uns mit Fragen des Steuerrechts befasst. Ausgehend von den damaligen Beschlüssen stellt ein Essay in dieser Ausgabe einige Gedanken und Entwicklungen dar.
Dabei ähnelt auch die weltweite Steuergestaltung dem Verhalten beim Fußball: auch hier versucht jeder das Spiel zu seinem Vorteil zu gestalten, auch hier gehen alle Beteiligten bis an und über die Grenze des Erlaubten. Auch hier setzt man darauf, dass der Schiedsrichter nicht alles sieht oder manches durchgehen lässt. So wie bei dieser WM, die zu einer WM der Fouls geworden ist, der bösen Fouls und der taktischen. Das Ziel ist klar: zum eigenen Vorteil wird das ehrliche Spiel zerstört, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste.
Jetzt noch Weltmeister im Kampf gegen Schwarzgeld, Steuervermeidung und Steueroasen, das wär’s doch! Zusammen in der EU sollten wir auch das schaffen!