40 Stunden - und ein bisschen weise?

Am 1. August ist die 42-Stunden-Woche Geschichte

Kaum ein Thema hat die Gemüter in den Büros der Verwaltung seit dem 1.1.2004 derart erhitzt wie die auf 42 Stunden verlängerte Arbeitszeit der Beamtinnen und Beamten. Am 1.8.2013 wird sie Geschichte sein. Ein Irrweg, der von den politisch Verantwortlichen mittlerweile ohne Umschweife eingestanden wird. Trotzdem spürt man in manchem Gespräch nach wie vor Überraschung, ja Unverständnis, warum die Maßnahme auf gar so heftigen Widerstand gestoßen ist. Und warum sich die Betroffenen auch im Laufe der Zeit partout nicht an den Zustand gewöhnen wollten. Es ging doch bloß um 24 Minuten am Tag. Kann das denn so schlimm sein? Oh ja, es kann.

Natürlich steht bei der ganzen Diskussion der Gerechtigkeitsaspekt im Vordergrund. Eine Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich kommt einer Besoldungskürzung gleich. In Bereichen mit Tarifvertrag ist so etwas undenkbar. Dort wird seit jeher der Lohn an die Arbeitszeit gekoppelt. Auch wenn das im Beamtenbereich rechtlich anders sein mag – zumindest haben die Verwaltungsgerichte das so bestätigt – das Gefühl verschaukelt zu werden bleibt bestehen. Ein solches Gefühl ist fatal, weil es die Identifikation mit dem Dienstherrn untergräbt. Die langfristigen Kosten dürften die kurzfristigen Einsparungen bei weitem übersteigen. Das hat man letztlich auch in der Politik verstanden. Doch das ist nur ein Aspekt. Die Arbeitszeitverlängerung führte auch zu handfesten Problemen im Alltag der Beschäftigten und diese Wirkung ist noch weit tiefgreifender.

2 Stunden fehlten hinten und vorne

Nicht wenige Beamtinnen und Beamte stellten plötzlich fest, dass ihnen ihr Alltag aus dem Ruder läuft. Auch sie hätten anfangs gar nicht gedacht, dass ihnen die 24 Minuten solche Probleme bereiten würden. Doch näher betrachtet überrascht das keineswegs. Die sogenannte Work-Life-Balance wird seit einiger Zeit in der Arbeitspsychologie als wesentlicher Faktor anerkannt. Warum? Weil man zunehmend feststellt, dass Menschen erkranken, wenn diese Balance zu sehr aus dem Takt gerät. Im Idealfall geht das Modell von einer gleichmäßigen Dreiteilung des Tages aus: 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Freizeit und 8 Stunden Schlaf. Bei einer 5-Tages-Woche liegen wir also genau bei 40 Stunden. Bei 42 Stunden Wochenarbeitszeit ist diese Balance demnach dauerhaft gestört.

Und was heißt da eigentlich Freizeit? Die meisten Beschäftigten müssen noch fahren, bis sie bei der Dienststelle „einstempeln“ können. In der Regel bis zu einer Stunde einfach. 10 Stunden Abwesenheit von der Wohnung sind also keine Seltenheit. Freizeit? Dazu kommt der Sportclub, die Freiwillige Feuerwehr, der Schützenverein – ohne die in der Öffentlichkeit so gerne geschmähten Beamten sähe es dort oft traurig aus. Und natürlich die Familie, die Kinderbetreuung, der Ehepartner. Freizeit?

Freizeit ist nicht gleich freie Zeit

Ja, natürlich Freizeit per Definition, aber freie Zeit? Eher nicht. Die wirklich freie Zeit reduziert sich doch bei vielen Berufstätigen heutzutage auf die Stunde vor’m Fernseher, bevor es einem die Augen zuzieht. Vor diesem Hintergrund wird es dann plötzlich klar, warum 2 Stunden in der Woche weniger „Freizeit“ so sehr schmerzen. Weil diese Zeit nicht einfach verfügbar ist. Sie ist gebunden durch soziale und familiäre Verpflichtungen. Der ohnehin schon vorhandene Druck wird – noch dazu völlig unvorhersehbar – plötzlich nochmal größer. Am Schluss bleibt nur noch der Schlaf, an dem man guten Gewissens glaubt sparen zu können. Um 6:00 Uhr wird begonnen, damit am Abend die häuslichen und gesellschaftlichen Pflichten nicht leiden. 8 Stunden Schlaf? Ein frommer Wunsch. 24 Minuten. Wäre schön, wenn man die noch liegenbleiben könnte in der Früh.

Der Spuk ist vorüber

42 Stunden sind per se zu viel. Vergleiche mit früher – „wir hatten noch 48 Stunden“ – hinken hinten und vorne. Der Mann ging arbeiten, die Frau kümmerte sich um den Rest. Das ist heute anders und das ist auch gut so. Nur dann tun 24 Minuten eben plötzlich höllisch weh, jeden Tag – und noch dazu, wenn es ohne Gegenleistung passiert. Die bfg hat deshalb fast 10 Jahre gekämpft – und nun ist der Spuk gottseidank endlich vorüber. Hoffentlich für alle Ewigkeit!