Großdemonstration in Straßenschlucht

Machtvoller Protest in Nürnberg

Geschlossen, solidarisch und entschlossen – die bfg setzt ein starkes Zeichen

Der Warnstreik und die Protestveranstaltung des Bayerischen Beamtenbundes (BBB) am 2. Februar 2026 in Nürnberg waren Ausdruck von spürbarem Unmut, großer Geschlossenheit und einer klaren gemeinsamen Haltung. Für die Bayerische Finanzgewerkschaft (bfg) ging es an diesem Tag um weit mehr als um eine reguläre Tarifauseinandersetzung. Es ging um Respekt, Wertschätzung und um die Zukunft des öffentlichen Dienstes – insbesondere der bayerischen Finanzverwaltung.

Der bfg-Landesvorsitzende Gerhard Wipijewski machte in seiner Rede bei der Kundgebung vor dem Heimatministerium unmissverständlich deutlich, warum so viele Kolleginnen und Kollegen nach Nürnberg gekommen waren. Die Beschäftigten seien nicht bereit, hinzunehmen, dass politische Entscheidungen auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Die angekündigte Verzögerung bei der Übertragung eines Tarifergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten, der gezielte Versuch, das Ergebnis der Tarifverhandlungen nach unten zu drücken, sowie die seit Jahren anhaltende strukturelle Unterfinanzierung und der chronische Personalmangel seien nicht hinnehmbar.

Wipijewski machte deutlich, dass diese Tarifrunde eine besondere Bedeutung habe. Es gehe nicht um „normale“ Geplänkel zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, sondern um einen grundlegenden Umgang mit den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Wer den öffentlichen Dienst immer wieder zum Sündenbock für politische Versäumnisse mache, schwäche bewusst das Vertrauen in Staat und Verwaltung. Gleichzeitig werde seit Jahren medial über Bürokratie und angebliche Ineffizienz geklagt, während diejenigen, die den Staat tagtäglich am Laufen hielten, immer stärker unter Druck gerieten.

Mit großem Nachdruck verwies Wipijewski auf die Realität in der Finanzverwaltung. Die Zahl der Steuerfälle sei in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, ebenso die fachlichen Anforderungen und die internationale Verflechtung der Arbeit. Dennoch werde diese Mehrbelastung mit nahezu unverändertem Personalbestand bewältigt. Die Beschäftigten hätten diese Entwicklung aufgefangen – durch hohe Einsatzbereitschaft, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein, weit über das Maß eines Dienstes nach Vorschrift hinaus. Diese Leistungen verdienten Anerkennung und nicht Misstrauen oder Sparprogramme.

Besonders deutlich wurde Wipijewski bei der Frage der Bezahlung. Während der Freistaat Bayern finanziell hervorragend dastehe und die Steuereinnahmen seit Jahren wüchsen, blieben Einkommen und Besoldung der Beschäftigten zurück. Die Folgen seien längst sichtbar: Der öffentliche Dienst verliere an Attraktivität, qualifizierte Kolleginnen und Kollegen kehrten ihm den Rücken, insbesondere in Bereichen wie der Steuerverwaltung, die in direkter Konkurrenz zur Privatwirtschaft stehe. Wer diese Entwicklung ignoriere, gefährde langfristig die Leistungsfähigkeit des Staates.

Mit spürbarer Zustimmung aus der Menge – seine Rede wurde immer wieder von langem, lautem Applaus unterbrochen – erinnerte Wipijewski daran, dass eine funktionierende Demokratie ohne einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst nicht möglich sei. Gerade die Finanzverwaltung sichere die Einnahmen, auf denen Bildung, Sicherheit, Infrastruktur und soziale Leistungen aufbauten. Wer hier spare, spare an der falschen Stelle und riskiere nachhaltige Schäden.

Die zentrale Botschaft seiner Rede war klar und unmissverständlich: Der Freistaat Bayern kann sich eine ordentliche Bezahlung seiner Beschäftigten leisten – und er schuldet sie ihnen. Die Forderung nach 7 Prozent, mindestens 300 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten sei keine Überforderung, sondern das notwendige Mindestmaß an Respekt, Wertschätzung und Zukunftssicherung. Diese Haltung prägte den gesamten Tag – sichtbar, hörbar und getragen von einer beeindruckenden Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen.

Conny Deichert: Klarer Druck aus der Tarifkommission

Bei der Hauptkundgebung meldete sich auch Conny Deichert, stellvertretende Landesvorsitzende der bfg und Mitglied der Geschäftsführung der dbb-Tarifkommission, zu Wort. Sie kritisierte die bisherige Blockadehaltung der Arbeitgeber und warnte vor einem weiteren Auseinanderdriften von TV-L und TVöD. Vergleichbare Arbeit müsse vergleichbar bezahlt werden. Der öffentliche Dienst halte Staat, Gesellschaft und Demokratie am Laufen – dafür brauche es Anerkennung, Wertschätzung und faire Einkommen.

Ein Meer in Orange – Auftaktkundgebung am Karl-Pschigode-Platz

Zur Auftaktkundgebung am Karl-Pschigode-Platz versammelten sich trotz winterlicher Kälte rund 1.200 Kolleginnen und Kollegen der bfg. Der Platz war geprägt vom Orange der Finanzgewerkschaft – ein starkes Bild für Zusammenhalt, Solidarität und Entschlossenheit. Viele hatten weite Wege auf sich genommen, viele standen seit Jahren unter hoher Belastung. Umso deutlicher war das Signal: Wir sind da. Wir stehen zusammen. Und wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen.

In seiner Begrüßungsrede machte Wipijewski deutlich, dass diese Einkommensrunde wegweisend sei. Es gehe nicht nur um den Ausgleich von Kaufkraftverlusten, sondern um Anerkennung und Zukunftsfähigkeit. Die Finanzverwaltung arbeite seit Jahren an der Belastungsgrenze – mit steigenden Fallzahlen, wachsender Komplexität und nahezu unverändertem Personalbestand. Gleichzeitig verliere der öffentliche Dienst an Attraktivität. Qualifizierte Kolleginnen und Kollegen wanderten ab, weil Bezahlung und Perspektiven nicht mehr stimmten. Wer hier nicht gegensteuere, gefährde dauerhaft die Handlungsfähigkeit des Staates.

Geschlossener Demonstrationszug – Solidarität über alle Grenzen hinweg

Im Anschluss setzte sich der Demonstrationszug der bfg in Bewegung. Vom Karl-Pschigode-Platz ging es Richtung Nürnberger Hauptbahnhof, wo sich der bfg-Zug mit dem Demonstrationszug der anderen Mitgliedsgewerkschaften des Bayerischen Beamtenbundes (BBB) vereinigte. Gemeinsam ging es weiter zum Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat.

Der geschlossene Auftritt war ein starkes Zeichen: Unterschiedliche Berufsgruppen, Tarifbeschäftigte und Beamtinnen und Beamte, Jung und Alt – alle Seite an Seite. Der Protest war nicht das Anliegen Einzelner, sondern Ausdruck eines breiten Unmuts im gesamten öffentlichen Dienst.

Hauptkundgebung: Klare Worte und viel Applaus

Als Hauptredner sprach der dbb-Bundesvorsitzende Volker Geyer. Er schilderte eindringlich die dramatische Situation in vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes: struktureller Personalmangel, steigende Arbeitsbelastung und spürbare Folgen für die Bevölkerung – von Unterrichtsausfällen über Bearbeitungsstaus bis hin zu massiven Überstunden bei Polizei und Pflege. Diese Zustände seien weder verantwortbar noch nachhaltig. Die Beschäftigten erwarteten deshalb zu Recht rasch spürbare Verbesserungen.
Auch der Vorsitzende des Bayerischen Beamtenbundes, Rainer Nachtigall, stellte sich klar hinter die Forderungen. Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren mit großem Engagement wesentlich zur Bewältigung immer neuer Krisen beigetragen – trotz steigender Anforderungen und knapper Ressourcen. Ein Abschluss unterhalb des TVöD sei für Bayern ein Rückschritt und gefährde die Zukunft des Freistaats als Arbeitgeber. Das Tarifergebnis müsse zeit- und wirkungsgleich auf den Beamtenbereich übertragen werden.

Danke für die großartige Unterstützung

Der Warnstreik in Nürnberg war ein machtvolles Signal. Die bfg zeigte sich geschlossen, solidarisch und politisch klar. Der große Zuspruch, die eindrucksvolle Beteiligung und die spürbare Entschlossenheit machten deutlich: Die Beschäftigten der bayerischen Finanzverwaltung stehen zusammen.

Ein besonderer Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die trotz Kälte, hoher Arbeitsbelastung und weiter Anreise dabei waren, die organisiert, unterstützt, vorbereitet und mitgemacht haben. Dieser Tag hat gezeigt, was möglich ist, wenn wir gemeinsam auftreten.