Unsere Zukunft.

Seite 3 Oktober 2018

Finanzminister Albert Füracker hat am 8. Oktober in der Nürnberger Meistersingerhalle 1.714 Anwärter der 2. und 3. Qualifikationsebene vereidigt. – Damit haben heuer so viele junge Kolleginnen und Kollegen in der Steuerverwaltung (1.516), der Staatsfinanzverwaltung (164) und der IT (34) ihre Ausbildung bzw. ihr Studium begonnen, wie noch nie. Ihnen allen ein herzliches Willkommen!

Dass es zu dieser Rekordzahl an Einstellungen kommen konnte, verdanken wir zunächst dem Finanzministerium, wo man bereit war, über die normalen Kontingente hinaus zu gehen und das Studium für 200 Kolleginnen und Kollegen an der eigentlich der 2. QE vorbehaltenen Landesfinanzschule in Ansbach durchzuführen. Dort wird die Fertigstellung der Neubauten genutzt und die eigentlich anstehende Sanierung der ältesten Gebäudeteile zurückgestellt. Unser Dank gilt dem Fachbereich Finanzwesen der Hochschule für die Einrichtung dieses neben Herrsching und Kaufbeuren nunmehr dritten Standorts. Unser Dank gilt aber auch dem Team der Landesfinanzschule selbst, das unter der Leitung von Andrea Knoll auch hier wieder vorbildliche Arbeit geleistet hat. Die Mammutaufgabe Studium und Ausbildung kann freilich nur gelingen, weil in den Ausbildungs- und Personalreferaten von LfSt, LfF und LSI außerordentliche Anstrengungen unternommen werden und nicht zuletzt an den Dienststellen vor Ort in der praktischen Ausbildung tausende engagierte Kolleginnen und Kollegen ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben.
Zu all diesem Engagement gibt es keine Alternative. Es geht schlicht um die Zukunft unserer Verwaltungen. Wie notwendig solch starke Anwärterjahrgänge sind, zeigen auch wieder die Zahlen aus einer Landtagsanfrage in diesem Heft. Danach stehen der Steuerverwaltung die größten Altersabgänge erst noch bevor – und all die Bemühungen der Staatsregierung um eine Verringerung der Unterbesetzung haben noch nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Ich bin deshalb froh, dass Finanzminister Albert Füracker zugesagt hat, auch 2019 bis an die Grenzen der Kapazitäten einstellen zu wollen.
Mein herzliches Dankeschön gilt auch den mehreren hundert Dozentinnen und Dozenten, die an der Landesfinanzschule und der HföD ihr Bestes geben, um eine gute theoretische Ausbildung zu ermöglichen. Die bfg bleibt aber dabei: wir brauchen dringend mehr hauptamtliche Dozentinnen und Dozenten, um den Lehrbetrieb zu optimieren. Und dies ist keinesfalls eine Kritik an Nebenamtlichen, die sich vorbildlich engagieren! Wir benötigen aber auch noch einmal zusätzliche Anwärterstellen, um dem Höhepunkt an Altersabgängen große Anwärterjahrgänge entgegensetzen zu können.
Aber wird es uns überhaupt gelingen, in dieser großen Zahl geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden? Von Jahr zu Jahr muss die Finanzverwaltung in den Ranglisten des Landespersonalausschusses weiter nach hinten greifen, um den Bedarf zu sichern. Und der Kampf um die Schulabgänger wird noch zunehmen! Dabei wird sicherlich weit mehr als die Situation in Studium und Ausbildung die Bezahlung nach der Ausbildung entscheidend sein!
Interessant, welche Erkenntnisse hierzu vor wenigen Wochen der StepStone-Gehaltsreport 2018/2019 für Absolventen geliefert hat. Grundlage war eine Befragung unter 200.000 Berufsanfängern in den ersten beiden Berufsjahren nach ihrem Studium. Große Unterschiede in der Bezahlung der Berufsanfänger gibt es demnach in Abhängigkeit von der Größe des Unternehmens! Das sollte man sich für das nächste Sommerloch merken, gehört der Freistaat Bayern mit mehr als 300.000 Beschäftigten doch zu den allergrößten „Arbeitgebern“ im Land!
Traurig, dass es auch im Jahre 2018 noch erhebliche Unterschiede in der Bezahlung zwischen männlichen und weiblichen Berufsanfängern gibt, und gut, dass es bei uns anders ist.
Interessant finde ich, dass Finanz und Banken die zweithöchsten Einstiegsgehälter bezahlen. Insgesamt, so zeigt die Untersuchung, werden in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen die höchsten Gehälter bezahlt. Dies beweist, wie berechtigt die Spitzenstellung Bayerns bei der Bezahlung seiner Beamtenschaft angesichts der Konkurrenz und hoher Lebenshaltungskosten ist. Ein beachtliches Ergebnis hat der Vergleich der Einstiegsgehälter getrennt nach Bachelor- und Masterabschlüssen gebracht. Der Unterschied liegt durchschnittlich gerade einmal bei 6.500 Euro im Jahr. – Auch wenn dies nicht eins zu eins auf unsere Diplomanden und die Regierungsräte mit 2. Staatsexamen übertragbar ist, so lässt sich doch konstatieren, dass der Unterschied hier ein Mehrfaches davon ausmacht! Einzig im Lehrerbereich mit A12 und A13 bewegt man sich annähernd im Bereich der Studie! Mir scheint das jedenfalls ein Beispiel, das zeigt, wie berechtigt die bfg-Forderung nach Regelbeförderungen bis A12 ist.