Das Mögliche tun!

Seite 3 August/September 2020

Rund 7.000 Beschäftigte aus dem Finanzressort haben sich vom 25. Mai bis zum 20. Juni an unserer Online-Umfrage zur Wohnraumarbeit und dem Arbeiten von daheim beteiligt. Sie haben damit zu einer einzigartigen Bestandsaufnahme dessen beigetragen, was möglich ist!

Diese Kolleginnen und Kollegen haben durch ihre Antworten belegt, dass aus der Not geboren viermal so viele Beschäftigte ganz oder teilweise von daheim aus gearbeitet haben wie noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie. 83 Prozent der Befragten haben im Umfragezeitraum zumindest teilweise von daheim aus gearbeitet, 62 Prozent sogar erstmals!

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass sich die meisten Beschäftigten dabei wohl gefühlt haben, dass die Technik ordentlich funktioniert und die Zusammenarbeit im Team sowie zwischen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern und den Vorgesetzten geklappt hat.

Wenn so viele Beschäftigte an einer Online-Umfrage teilnehmen, dann zeigt dies, wie wichtig ihnen dieses Thema ist. Auch das ist für mich eine zentrale Erkenntnis aus unserer Umfrage!

Es ist deutlich geworden, dass die Beschäftigten auch nach der Corona-Zeit gerne flexibler arbeiten wollen, dass sie gerne einen Teil ihrer Aufgaben von daheim aus erledigen würden. Es ist auch deutlich geworden, dass die Beschäftigten hier einiges für möglich halten, dass sie großes Potenzial sehen für ein Arbeiten von daheim aus.

Politik und Verwaltungsspitze dürfen diese Erkenntnisse nicht gering schätzen! Nach Abklingen der Pandemie einfach zum Status quo ante zurückzukehren, kann keine Option sein! Vielmehr muss allen klar sein, dass die Möglichkeit zu einem flexiblen Arbeiten die Motivation der Beschäftigten steigert und heutzutage ein wichtiger Aspekt bei der Personalgewinnung ist. – Ganz nebenbei kann ein stärkeres Angebot zur Arbeit von daheim auch dazu führen, dass einige Kolleginnen und Kollegen ihre Teilzeitanteile erhöhen und damit auch ein klein wenig zum Abbau der Unterbesetzung beitragen.

Freilich wird auch künftig Wohnraumarbeit nicht grenzenlos in Anspruch genommen werden können. Dafür sorgen diverse dienstliche Zwänge, die eine zeitweise Anwesenheit in der Dienststelle auch weiterhin erfordern. Da sollten wir uns auch nichts vormachen!

Aber das Mögliche sollte man möglich machen!

Zu diesen dienstlichen Aufgaben, die eine räumliche Anwesenheit erfordern, gehört in diesen Jahren des demografischen Wandels insbesondere die Ausbildung. Stellt die Ausbildung von rund 3.000 jungen Kolleginnen und Kollegen in der Steuer- und Staatsfinanzverwaltung allein schon eine erhebliche Herausforderung dar, so wächst diese unter den Bedingungen der Corona-Pandemie noch einmal gewaltig – und das sowohl für die Bildungseinrichtungen wie auch für die Ausbildungsdienststellen!

So sehr die Situation für alle Beteiligten äußerst belastend ist, so sind es doch die Anwärter, um deren berufliches Sein oder Nichtsein es bei alledem geht! Mir ist es deshalb wichtig, unsere jungen Kolleginnen und Kollegen auch spüren zu lassen, dass sie uns wichtig sind und wir alle miteinander das Mögliche dafür tun, sie vernünftig und erfolgreich durch ihre Ausbildung zu bringen! – Aus Fairness allen Berufsanfängern gegenüber, aber sehr wohl auch aus Eigennutz, weil wir die Nachwuchsbeamtinnen und -beamten brauchen!

Ich halte es auch für keine Selbstverständlichkeit, wie hunderte Anwärterinnen und Anwärter bei den Gesundheitsämtern geholfen und dort zum Teil auch organisatorische Verantwortung übernommen haben. Die Kehrseite dieses ausbildungsfremden Einsatzes sind zwangsläufig Defizite in der Ausbildung und ein uneinheitlicher Ausbildungsstand. Wir sind es den jungen Leuten schuldig, dass die weitere Ausbildung dieser Situation Rechnung trägt!

Dabei leisten die Dienststellen, die Bildungseinrichtungen, Dozenten und nicht zuletzt die Ausbildungsreferate bei den Landesämtern eine äußerst engagierte Arbeit, ohne die die Ausbildung längst zusammengebrochen wäre! – Und dennoch läuft auch hier nicht immer alles bis ins Letzte optimal. Das kann angesichts der Dimensionen und der Umstände fast auch nicht anders sein. Weil es manches Mal schlicht ein wenig an der Kommunikation mangelt, engagiert sich seit Wochen auch die bfg sehr stark, trägt die Sorgen und Nöte der Anwärter an Schulen und Verwaltung heran, klärt Schwierigkeiten auf, versucht Verbesserungen zu erreichen und gibt wichtige Informationen an die jungen Kolleginnen und Kollegen weiter. Zuletzt hat die bfg-Jugend sogar Erklär-Videos erstellt, die den Anwärtern bei der Nutzung der Ilias-Plattform und bei der Erstellung ihrer Diplomarbeit weiterhelfen sollen.

Auch die bfg versucht, das Mögliche zu tun!